Über Lampenfieber und die Kunst, über Fehler hinwegzulächeln

Egal in welchem Bereich man nachfragt - wenn es um öffentliche Auftritte geht, kommt ganz schnell der Begriff "Lampenfieber"  zur Sprache. Damit ist wohl alles gemeint: die Angst zu versagen, der Adrenalinstoß, das Zittern. Bei jedem äußert sich das anders. Aber fast alle sind davon betroffen. 

Aber wie gehe ich am besten mit Lampenfieber um? 

Hierzu möchte ich euch erzählen, was mir gestern passiert ist. Denn meiner Meinung nach lässt sich diese Situation auch einwandfrei aufs Autorenleben übertragen. Schließlich müssen Lesungen organisiert werden, überhaupt Leser geworben werden... und und und. Man hat auf jeden Fall eine Menge mit der Öffentlichkeit zu tun. 

Also, Samstagabend, 22 Uhr. Ich bin total aufgeregt. 6 Wochen Training liegen hinter mir, hartes Training. Die Generalprobe hat ganz gut geklappt, bei einigen Figuren gab es aber noch Patzer. Ich hoffe nur, dass die dem Publikum nicht so auffallen. 
Lukas geht nach vorn und unterbricht die Zugabe des Schützenvereins: "Ich tanze immer den letzten Tanz der Saison". Er holt mich, wir gehen die Treppe zur Bühne hoch. Der Saal ist still. Und dann spielt der Dj an. "Now I've had the time of my life..." Der Anfang klappt perfekt, die Drehungen sitzen.  Ich werde etwas ruhiger. Auch der Hauptteil klappt gut. Und dann das Desaster. Die Version des DJs ist nicht die, die wir eingeübt haben. Lukas und ich halten Blickkontakt, jetzt gilt es zu improvisieren. Am liebsten würde ich sofort abbrechen. Aber ich erstaune mich selbst, indem ich ruhig bleibe und einen kühlen Kopf bewahre. "Spring jetzt einfach!", flüstere ich Lukas ins Ohr. Er springt von der Bühne, das Publikum klatscht. Niemand merkt , dass er eigentlich viel früher hätte springen müssen (nach der Version des DJs). Ich halte den Atem an. Lukas schlägt sich gut. Natürlich klappt auch die Hebefigur nicht richtig, weil ich so zittrig bin. Aber der Saal jubelt und kreischt. Und Lukas und ich sind Happy. 

Wir haben zwar 6 Wochen lang den Tanz perfektioniert, nur damit beim wichtigsten Auftritt etwas wegen einer Sache schiefgeht, auf die wir absolut nicht gekommen wären. Aber so etwas passiert nunmal. Und das schönste ist: aus dem Publikum hat es niemand gemerkt.

Ich finde, an diesem Beispiel kann man gut sehen, dass es für das Publikum nicht darauf ankommt, dass etwas perfekt ist. Sondern das wichtigste ist die Art und Weise, wie man sein Anliegen rüberbringt. Und es bringt nichts, auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Denn meistens kommt es dann doch ganz anders und es gibt eine Kleinigkeit, die man übersehen hat. Letztendlich gewinnt der, der die Herzen der Menschen bewegt. 

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