Ohne Mauerfall

Die Berliner Mauer hatte gestern ein Jubiläum - 28 Jahre stand sie und 28 Jahre sind nun vorbei seit dem Mauerfall. Über die sozialen Netzwerke hat sich der Hashtag #ohneMauerfall gestern großer Bedeutung erfreut. Die Menschen philosphierten darüber, wie die Welt heute ohne Mauerfall ausgesehen hätte. Ich glaube, sie wäre grauer gewesen. Ich hätte viele tolle Menschen nicht kennengelernt, denn ich wohne ja nur dreißig Kilometer von der ehemaligen Grenze entfernt. Und auch meine Zeit in der Nähe von Berlin wäre nicht so einfach gewesen. Die Mauer war ein Projekt, das zu den schwärzesten in der deutschen Geschichte gehört. Ich bin froh, das sie gefallen ist. Und damit auch jeder weiß, welche Bedeutung sie hatte, möchte ich ein bisschen was zur Geschichte erzählen.

Noch Mitte Juni 1961 sprach Walter Ulbricht, der Staatsratsvorsitzende der DDR, seine berühmten Worte:

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu bauen.“
Doch binnen zweier Monate änderte sich alles.

Der dritte August war ein heißer Tag, sowohl vom Wetter, als auch von den politischen Machenschaften her. Die Entscheidung, eine Mauer durch Deutschland zu ziehen, ist gefallen. Der Beschluss wurde dann auf der Tagung politischer Führungschefs des Wahrschauer Ver-trages zwei Tage später endgültig gefällt.

An die Öffentlichkeit gelangte dieses Projekt jedoch noch nicht. Erst am 10. August erlangte der Bundesnachrichtendienst erstmalig davon Kenntnis. Und zwei Nächte später wurde das Vorhaben schon in Tat umgesetzt. Angehörige der NVA, der deutschen Grenzpolizei und der Volkspolizei riegelten die Straßen- und Eisenbahnwege nach West-Berlin ab. Auch die S- und U-Bahnhöfe wurden abgesperrt. In diesen Nächten, in denen die Züge einfach ohne halt durch West-Berlin rasten, entstand der Name „Geisterbahnhöfe“.

Der 13. August gilt als der schwarze Tag des Mauerbaus, obwohl an diesem Tag das eigentliche Bauvorhaben noch gar nicht in Tat umgesetzt wurde. Tatsächlich wurde die Grenze „nur“ erst einmal durch Stacheldrahtzäune gesichert. Familien wurden von ihren Kindern ge-trennt, Freunde durften sich nicht mehr sehen. Unvergessen sind die zahlreichen Fluchtversuche, die in dieser ersten Zeit unternommen wurden und zum Großteil auch erfolgreich wa-ren.

Die Reaktionen der Alliierten waren verhalten. Um den US-Präsidenten J.F.Kennedy zu zitieren:

„Eine Mauer ist verdammt nochmal besser als ein Krieg!“

Und mehr als achtundzwanzig Jahre dauerte es, bis die steinerne Grenze wieder geöffnet wurde. Nach den Vorbereitungshandlungen im Oktober 1989 fiel sie in der Nacht vom 09. auf den 10. November endgültig. Hier ist besonders noch einmal auf die bekannte Pressekonferenz am selbigen Tag hinzuweisen. Der Bild-Reporter Brinkmann stellte dem SED-Polit-Büromitglied die direkte Frage, ab wann der Reisegesetzentwurf, der den DDR-Bürgern die Reise nach Westberlin ermöglichen sollte, in Kraft treten würde. Und Schabowski gab die schicksalsreiche Antwort: „Das tritt nach meiner Kenntnis – ist das sofort, unverzüglich.“
Die gewonnene Reisefreiheit wurde von den DDR-Bürgern sofort ausgenutzt, viele flohen in den Westen. Die Menschen, die an diesem Tag in Berlin waren, wurden Zeugen eines unvergesslichen Ereignisses.

Die Zeiten des kalten Kriegs, besonders ab dem Mauerbau, sind heutzutage kaum noch vorstellbar. Gerade die Menschen in Berlin mussten durch die Grenze starke Einbußen hinnehmen, es wurde viel Trauer gesät und das Verhältnis zwischen Ost und West ist bis heute noch angespannt.

Und deshalb ist mir auch dieser Beitrag so wichtig. Ich bin selbst im Osten geboren, aber ehrlich gesagt - für mich ist das kein Unterschied. Wir, die nichts mehr von der Trennung Ost und West erlebt haben, die nur auf die Erzählungen unserer Eltern zurückgreifen können, dürfen uns meiner Meinung nach da auch keine Vorurteile anmaßen. Wir sind ein vereinigtes Deutschland und unsere Mitmenschen sind alle gleich viel wert, ob sie nun aus dem Osten, Westen, Norden oder Süden kommen. Oder auch aus einem anderen Land. Natürlich sind nicht alle Menschen gut, aber man darf auf gar keinen Fall alle über einen Kamm scheren. Weder die „Ossis“, noch die „Wessis“, noch Flüchtlinge, Asylanten oder Behinderte.

Ich möchte euch an dieser Stelle einen Leitsatz mit auf den Weg geben:

Gib jedem die Chance, ein guter Mensch zu sein und zu zeigen, was in ihm steckt.

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0