Wie viel Recherche braucht mein Roman?

Wie viel sollte man eigentlich für sein Buch recherchieren? Die Frage stellt sich natürlich zwangsläufig irgendwann, wenn man beim Schreiben wegen einer Sache nicht weiterkommt, weil man darüber einfach keine Ahnung hat.

Was ist eigentlich Recherche?
Ich würde den Begriff Recherche mit dem deutschen Wörtern „herausfinden“ oder „nachforschen“ gleichsetzen. Man setzt sich gezielt und intensiv mit einem Thema auseinander und eignet sich einen neuen Wissensschatz an beziehungsweise erweitert sein Wissen.

Wo recherchiere ich am Besten?
Das ist eine Frage, die man nicht so genau beantworten kann, weil da jeder seine Vorlieben hat. Ich persönlich recherchiere für große Sachen überhaupt nicht gern im Internet. In meinem neuen Buch geht es zum Beispiel über Weimar und das Konzentrationslager Buchenwald. Meine erste Recherchehandlung war, dort hinzufahren und mir die Stadt und das KZ anzugucken. Ich habe möglichst viele Fotos gemacht und Informationen aufgeschrieben. Besonders wenn es um Städte geht, finde ich es am besten, wenn man den Ort vorher ein-mal gesehen und erkundet hat. Dann bekommt man nämlich erst ein richtiges Gefühl dafür. Nachdem ich mir persönlich alles angeguckt hatte, bestellte ich mir zwei Bücher über das KZ, in denen auch möglichst authentisch alles beschrieben war. Ich las sie, markierte wie wild wichtige Informationen, knickte Seiten ein, die ich später vielleicht brauchen könnte. Dann erstellte ich mir eine Zeittafel in Excel, in der ich die wichtigsten Ereignisse, die im Buch beschrieben wurden, chronologisch eintrug. Und als ich dann die Handlung langsam entwickelte, machte ich mir Notizen zu den Punkten, die ich noch genauer herausbekommen musste. Für diese Punkte nutzte ich dann das Internet zum Nachforschen. Wenn es um sehr spezielle Sachen geht, ist das Internet ein guter Ratgeber für die erste Recherche. Kommt man hier nicht weiter, kann man immer noch in eine Bibliothek gehen, sich ein Buch kaufen oder sogar an eine Person wenden, die über das Thema Bescheid weiß.

Interessant ist hier auch das Ergebnis meiner Twitter-Umfrage:
Die Frage lautete:

Würdet ihr recherchieren, wann genau in einem bestimmten Jahr Vollmond war, wenn der Vollmond für die Handlung eine Rolle spielt?
7 % fanden die Recherche übertrieben, 68 % hielten sie jedoch für mit das wichtigste. Nur 25 % war egal, ob überhaupt nachgeforscht wurde.
Hier kann man gut erkennen, wie unterschiedlich die Leser sind. Dennoch wird hier schnell klar: Besser zu viel recherchieren, als zu wenig.

In welchen Fällen ist Recherche am Wichtigsten?
Ich möchte eine Liste machen, in welchen Genres korrektes und detailliertes Recherchieren meiner Meinung nach am Wichtigsten ist.

•    Historische Romane. Welch Überraschung. Aber niemand schreibt wahrscheinlich einen historischen Roman ohne wenigstens ein bisschen geschichtliches Hintergrund-wissen zu haben. Gerade bei brisanten Themen, wie zum Beispiel den Weltkriegen, ist eine korrekte Darstellung der Ereignisse Plicht.
•    Sachbücher und Ratgeber. Auch hier sollte eine gute Recherche Ausgangspunkt aller weiteren Arbeiten sein. Es ist wichtig, dass man Ahnung davon hat, wovon man spricht. Sonst kauft niemand das Buch.
•    Bücher, in denen Krankheiten behandelt werden. Hier ist Recherche meiner Meinung nach auch gaaaanz wichtig. Ich habe gerade eine Rezension über „Berühr mich nicht“ von Laura Kneidl gelesen, ein Buch, was gerade total gehypt wird. Und in der Rezension wurde deutlich, dass die Autorin nicht korrekt über die psychische Krankheit ihrer Protagonistin recherchiert hat. Peinlich und auch gefundenes Fressen für Kritiker.
•    Bücher, in denen spezielle Themen behandelt werden. Wenn man ein Buch schreibt, in denen Pferde vorkommen, sollte man sich über diese Tiere informieren. Oder wenn man über ein bestimmtes Berufsbild schreibt. Oder, oder, oder...
Die Liste ist natürlich nicht abschließend. Letztendlich muss man auch selbst wissen, wie viel Aufwand man betreiben möchte. Natürlich kommt es da auch darauf an, wie umfangreich man seine Geschichte halten möchte. Für eine Kurzgeschichte benötigt man viel weniger Recherche als für einen dicken Wälzer mit 1.000 Seiten.

Aber auch hier ist wichtig: Knallt dem Leser die Informationen nicht vor die Stirn. Niemand möchte einen Roman lesen, der die geschichtlichen Ereignisse einfach so abhandelt. Und auch bestimmte Krankheitsbilder sollten nicht einfach von Wikipedia kopiert und eingefügt werden. Man sollte sich mit dem Thema so intensiv wie möglich beschäftigen, die Wiedergabe im Roman sollte aber so kurz wie nötig ausfallen. Das ist so meine Faustregel. Wenn man nämlich ein Meister auf seinem Gebiet wird, kann man auch die Fragen von Testlesern und Kritikern souverän beantworten.

Apropos Testleser: Geschichte ist mein Spezialgebiet, auch wenn ich längst nicht alles weiß. Aber falls jemand eine Frage hat oder mir einen Textauszug aus seinem Roman schicken möchte, weil er sich ob der historischen Begebenheiten nicht ganz sicher ist, kann er mir gern eine Email schreiben oder einen Kommentar dalassen.

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