Fit For Writing

Mir ist gestern beim Einschlafen so eine unglaublich tolle Idee für einen Blogbeitrag gekommen mit einem Thema, dass mir sehr am Herzen liegt:

Wie kombiniere ich die Rückenschmerzen auslösende, Augenflimmern erzeugende und Krampfadern vermehrende Tätigkeit als Autorin mit dem Wunsch, doch noch irgendwann als halbwegs gesunde Oma meine Enkel herumzuwirbeln?

Ganz einfach - indem ich Sport mache. Okay, das ist jetzt nicht wirklich neues. ABER! Ich hab ja von kombinieren gesprochen. Was nichts anderes heißen soll, als dass ich hier Möglichkeiten vorstellen möchte, wie man Sport macht und nebenbei auch noch bei seinem Buchprojekt weiterkommt. Klingt utopisch? Ich habs probiert und es hat geklappt.

1. DIE GRUNDLAGE
Alle Übungen, die ich hier beschreibe, können im Laufschritt ausgeübt werden, allerdings auch gern beim Spazierengehen oder Nordic Walking. Hauptsache, du bewegst dich dabei und musst deinen Kopf bei der Sportart nicht anstrengen (das gilt den Menschen, die jetzt kommen mit: „Ich spiel Schach! Reicht das als Sport?“).

2. DIE VORBEREITUNG
Tja, ganz einfach: Turnschuhe und Jogginghose an, möglichst eine wetterfeste Jacke übergezogen und los geht´s. Was mir wichtig ist: Lass deine Kopfhörer zu Hause. Wenn du mit Kopfhörern läufst, kommst du mit deinem Buch nicht weiter. Soll heißen: gern kannst du beim Laufen Musik hören, um dich zu entspannen. Aber wenn du nicht gerade extrem gut im Multitasking bist, wird es für dich und deinen Kopf zu viel. Außerdem sind die meisten Übungen, die ich vorstellen möchte, eher für Einzelsportler. Wenn du mit deiner Freundin spazieren gehst, endet das vermutlich eher im Gequatsche über den neuesten Klatsch und Tratsch. Das solltest du dann lieber lassen, wenn du etwas schaffen willst. Außer bei einer Übung, aber dazu später.

3. DIE ÜBUNGEN

Der Inspirationslauf
Dieser Lauf dient, wie der Name schon sagt, in erster Linie deiner Inspiration. Der Ablauf ist wie folgt: du läufst locker, entspannt los. Dann konzentrierst du dich intensiv auf deine Umwelt. Was siehst du? Was schmeckst, riechst, fühlst du? Dein Auge bleibt vermutlich automatisch an einer Sache hängen. Diese versuchst du nun, zu verinnerlichen und denkst dir eine Geschichte dazu aus. Die Geschichte kann gern völlig neu sein, oder du versuchst, die Sache in Zusammenhang mit deiner schon bestehenden Story zu bringen.

Beispiel: Du läufst an einem alten DDR-Plattenbau vorbei und siehst zwei Kinder davor mit dem Ball spielen. Es riecht nach Mittagessen, Erbsensuppe. Du stellst dir vor, wie die Mutter der beiden Kinder gleich aus dem Fenster schaut und sie zum Essen ruft. Das eine Kind fällt vor Aufregung in den Schlamm. Es weint und beide Kinder gehen auf die Haustür zu. Dort steht schon die Mutter und schimpft mit dem Kind, weil es sich dreckig gemacht hat.

Du kannst gern die Geschichte beliebig lang weiterführen. Oder du suchst dir das nächste Objekt aus und überlegst dir dafür eine Geschichte. Dies dient auch dem Training deiner Fantasie. Wenn dir eine super Story einfällt, kannst du sie zu Hause aufschreiben. Und wenn nicht, hast du dich zumindest bewegt und nebenbei dein Erzähltalent und deine Vorstellungskraft trainiert.

Der Aufbaulauf
Der Aufbaulauf soll dem Handlungsaufbau dienen. Du weißt noch nicht genau, wie deine Handlung verlaufen soll? Kein Problem. Du fängst damit an, dass du dir beim Laufen den Anfang deiner Story erzählst. Tue so, als ob du vor dir selbst ein Referat hältst. Stelle dir vorher einen Timer auf 10 Minuten und versuche, den Anfang wirklich chronologisch wieder-zugeben-. Wenn du merkst, dass du abschweifst, gehst du wieder an den Ausgangspunkt zurück und versuchst es nochmal. Nach diesen zehn Minuten bleibst du kurz stehen und atmest tief durch. Dann setzt du deinen Lauf fort. Du überlegst, welcher Punkt in deiner Geschichte der spannendste sein soll. Trage alles zusammen, was du dir schon dazu ausgedacht hast. Nach 10 Minuten bleibst du wieder kurz stehen und atmest tief durch. Wichtig hierbei ist, dass du beim Ein-und Ausatmen nicht an deine Geschichte denkst. Die letzten 10 Minuten des Laufs verbringst du damit, deinen Schlussteil auszubauen.
Natürlich kannst du hier auch in den Zeiten variieren. Aber dadurch, dass du dir die Handlung sozusagen noch einmal selbst erklärst, verinnerlichst du sie auch besser und findest eventuelle Fehler. Der Aufbaulauf ersetzt natürlich keine effiziente schriftliche Ausarbeitung des Handlungsverlaufs. Aber er dient dem Verständnis und der Fehlersuche.

Der Charakterisierungslauf
Bei diesem Lauf kannst du gern jemanden mitnehmen, vorausgesetzt er ist ein guter Zuhörer und stellt gezielte und sinnvolle Fragen (und schweift nicht vom Thema ab. Ohne Vorgespräch wird das also nichts). Hier geht es darum, dass du dir zu Beginn des Laufs eine deiner Figuren aussuchst und sie so intensiv wie möglich charakterisierst. Wenn du allein läufst, stell dir die Frage, was deine Figur zu den Dingen sagen würde, die du siehst. Würde sie das Haus schön finden? Die Natur genießen? Oder hätte sie Angst, sich zu verlaufen? Diese und noch viel mehr Fragen stellst du dir und lernst dadurch deine Figur viel besser kennen. Und wenn du jemanden hast, der dich über die Figur ausquetscht, ist das natürlich noch besser. Denn er fragt dich wahrscheinlich Sachen, auf die du gar nicht gekommen wärst.

Tipp: Wenn du dich vor deinem Laufpartner nicht so „nackig“ machen möchtest, kannst du auch so tun, als würdest du über eine reale Person reden. Die meisten Menschen tratschen gern und vielleicht fällt es deinem Partner auch leichter, gezielte Fragen zu stellen, wenn er denkt, dass es sich um eine echte Person handelt. Aber nicht vergessen: aufklären am Ende! Sonst gibt es nachher noch Stress.

4. NOCH EIN PAAR IDEEN

•    Was du natürlich auch machen kannst: alle drei Läufe kombinieren. Stell dir einen Timer auf drei Mal zehn Minuten. Die ersten zehn Minuten lässt du dich inspirieren und denkst dir eine kleine Geschichte aus. Dann charakterisierst du die Hauptfigur zehn Minuten lang und dann überlegst du dir, an welchem Teil des Buches die Handlung passieren könnte.


•    Verankere die Läufe fest in deine Schreibzeiten. Ohne Ausreden. Eine halbe Stunde hast du immer Zeit, du bist draußen (obwohl du die Sachen auch problemlos in eine Session am Laufband im Fitnessstudio integrieren kannst).


•    Du brauchst auch Abwechslung. Gehe abwechselnd spazieren, walken, laufen oder auch Fahrradfahren. Bei Fahrrad- oder Inlinerfahren kann man auch super über sein Buch nachdenken, vorausgesetzt, man beherrscht diese Tätigkeiten!!!


•    Wenn du starke Rückenprobleme hast, besorg dir so einen Schwing-Hocker. Da kannst du dich nicht anlehnen und die Sitzfläche passt sich jeder Bewegung an. Am Idealsten ist der natürlich in Kombination mit einem höhenverstellbaren Schreibtisch.

Was mir noch ganz, ganz wichtig ist (weil ich selbst so eine bin): Augen auf im Straßenverkehr, trotzdem. Denn ich weiß, dass man sich nur zu gut von der Geschichte mitreißen lassen kann und kaum noch auf seine Umwelt achtet (Ich nenne das immer meinen Laufrausch). Am besten ist es deshalb, auf wenig befahrenen Straßen oder Feldwegen laufen zu gehen. Und wenn die Lichtverhältnisse schlecht sind, zieh dir eine Warnweste oder so an. Na klar kommt man sich da am Anfang albern vor, aber das ist immer noch besser, als im Krankenhaus aufzuwachen.

Wenn du eine meiner Übungen ausprobiert hast, dann lass doch einen Kommentar da und erzähle, wie sie dir gefallen haben und ob du sie nochmal machen würdest.

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