Floskeln

Wer kennt sie nicht: Floskeln, die immer wieder auftauchen. Die du selbst unbewusst beim Schreiben benutzt.

Doch was sind überhaupt Floskeln?
Eigentlich bezeichnet eine Floskel eine Redewendung, die absolut nichts aussagt. Also so-zusagen eine leere Phrase. Sie wird oft verwendet, um Lücken zu füllen, drückt teilweise Unsicherheit aus und dient vor allem dazu, den Menschen „nicht auf die Füße zu treten“. Nach dem Motto „Mach selbst was draus“. Hier habe ich dir einige Floskeln zusammengestellt und beschrieben, was sie eigentlich bedeuten bzw. was du an Stelle der Floskel sagen könntest.

„In der nächsten Sekunde fühlte ich mich schon wieder besser.“
Ja sicher. Eine Sekunde später. Das ist nicht nur fast völlig unmöglich (auch wenn man bei pubertären Teenagern ja schon oft das Gefühl hat, aber auch sie brauchen ein paar Minuten, um die Dinge zu verarbeiten). Es ist auch einfach eine unnötige, zeilenfüllende Zeitangabe. „Ich fühlte mich besser“ Reicht auch aus. Oder eben „Danach fühlte ich mich wieder besser.“. Das geht auch. Aber „in der nächsten Sekunde“ ist unglaubwürdig und auch so eine Standardfloskel, die in vielen Texten zu finden ist. Und du willst ja neue Maßstäbe setzen.


„Das liegt bestimmt am Wetter.“
Nein, liegt es nicht. Diesen Satz kannst du einer schwachen Figur in den Mund legen, die Kopfschmerzen hat. Du kannst dir aber auch einfach Gedanken machen, woran „es“ wirklich liegt. Das wirkt viel authentischer, denn ehrlich, uns geht es doch in den seltensten Fällen wegen des Wetters schlecht/ gut/ sonst wie. Das einzige, was wirklich am Wetter liegen kann, ist, wenn du wegen Schnee nicht zur Arbeit kommst. Oder wenn dein Dach bei einem Sturm kaputt geht. Aber auch hier kannst du dir interessantere Sachen ausdenken.

„Es liegt bestimmt an den grauen Wolken, dass meine Stimmung so getrübt ist.“
„Ich bin so glücklich, weil die Sonne scheint.“

Dann ist klar, in welcher Richtung sich das Wetter auf deine Figur auswirkt und warum. Es ist dann nicht mehr nur ein „leerer“ Satz, sondern ein Satz mit Inhalt und (was ich am wichtigsten finde) Bezug zum Text.

„Ich würde sagen, wir machen das so.“
Entweder wir machen das so oder nicht. Punkt. „Ich würde sagen“ ist einfach eine Floskel, die überhaupt nichts aussagt. Denn was tatsächlich wichtig ist an dem Satz folgt ja nach dem Komma. „Ich würde sagen“ macht klein, zeigt Unentschlossenheit. Weg damit, vor allem in wörtlicher Rede (es sei denn, du charakterisierst die Figur dadurch bewusst). Genauso ist es mit allen „würde“, „bräuchte“, „könnte“. Entscheide dich. Braucht deine Figur das? Dann braucht sie es, nicht bräuchte. Kann sie das? Unklare Aussagen mag niemand, also schaffe Klarheit.


„Nichts für ungut.“
Dieser Satz widerspricht sich in seiner Bedeutung ja selbst. Gemeint ist eigentlich immer: „Nimm mir nicht übel, was ich sage“. Und es ist ein Ausdruck schwacher Figuren. Denn letztendlich geht es darum, dass deine Figur eine Meinung hat, aber nicht will, dass jemand auf sie böse ist, wenn sie diese Meinung äußert.

Statt „Nichts für ungut, aber die Brille steht dir einfach nicht.“ Kannst du doch einfach sagen „Ich finde, dass die Brille dir nicht so gut steht.“ Meinetwegen noch mit einer Entschuldigung dran. Aber wir entschuldigen uns heutzutage für fast jeden Satz, den wir sagen. Das ist doch langweilig, oder? Mach aus deinen Figuren starke Charaktere, die zu ihren Meinungen stehen. Und wenn du doch eine schwache Figur brauchst, kannst du die Sätze auch so beginnen:

„Sei mir nicht böse...“
„Nimm es mir nicht übel...“
„Entschuldigung, aber ich muss dir sagen, dass...“

Dann hast du zwar auch ein paar Füllwörter mit drin, aber immerhin sind sie ehrlich. „Nichts für ungut“ kommt mir immer so unehrlich vor (und ich sage es auch nie).


„Willkommen im Club“
Dieser Satz ist okay, wenn er von einem Türsteher an der Disko kommt. Sonst nicht. Wirklich nicht. Gemeint ist damit ja nur, dass eine andere Person ein ähnliches Schicksal zugeteilt bekommt wie du. Im Umgangssprachlichen wird der Satz ja häufig verwendet, in einer Geschichte würde ich ihn rausstreichen.

Was du stattdessen verwenden könntest:
„Mir geht es ähnlich.“
„Dann teilen wir ja ein Schicksal.“
„Ich verstehe dich.“
„Ich weiß, was du meinst.“

Dadurch versteht auch der letzte Leser, was gemeint ist. Und was ich besonders wichtig finde: der Roman wird zeitlos. „Willkommen im Club“ ist noch eine relativ junge Redewendung, wer weiß, ob in zwanzig Jahren überhaupt noch jemand was damit anfangen kann. Also, lieber weglassen, es sei denn, das ganze Buch ist auf solche Redewendungen ausgelegt.


„Was du nicht sagst.“
Ein umgangssprachlicher Satz, der häufig im Dialog verwendet wird. Aber besonders, wenn die Person sonst keinen Hauch von Ironie in ihrem Handeln und ihrer Sprache gezeigt hat, finde ich den Ausdruck unpassend. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, was gemeint ist.
1. Es kann echte Überraschung der Auslöser sein. Hier könnten auch Ausdrücke wie „Ach was?“ oder „Unglaublich!“ verwendet werden. Diese verdeutlichen dann auch besser, was gemeint ist.
2. Es kann hier aber auch Überlegenheit mit ausgedrückt werden, a la „Das weiß ich schon ewig“ oder „Damit erzählst du mir auch nichts neues“.

Also, wenn du diese Floskel im Dialog verwendest, mag sie noch okay sein. Aber als Gedankengang passt sie überhaupt nicht (Ehrlich: Hast du schon mal „Was du nicht sagst?“ gedacht? Nein, oder? Kaum jemand denkt in Floskeln. Und um die Geschichte und deine Figuren authentischer zu machen ist es besser, auf diesen Standardsatz zu verzichten.


„Er zitterte wie Espenlaub.“
Eigentlich ist das ja keine Floskel, sondern eine Metapher, also ein sprachliches Bild. Aber ich habe es in den letzten Texten, die ich gelesen habe, so oft wiedergefunden, dass der Satz hier einfach rein musste. Mal ehrlich: wer weiß schon, was Espenlaub ist? Na klar, die Espe ist ein Baum. Ein Laubbaum. Aber im Wald würde sie wahrscheinlich im Vergleich zum Ahorn nicht sofort erkannt werden, obwohl so häufig über sie gesprochen wird. Die Espe wird hier vermutlich verwendet, weil ihre Blätter recht klein sind und schon beim schwächsten Lüftchen anfangen zu zittern. Und jetzt stell dir mal vor, wie sie bei einem Sturm beben. Aber letztendlich meint der Satz auch nichts anderes als „sehr stark und am ganzen Körper zittern“.

Was du stattdessen verwenden könntest:
Er zitterte.
Er zitterte am ganzen Körper.
Sein Körper bebte.

Ich finde nämlich, dass dieses „wie Espenlaub“ extrem nichtssagend ist. Erstens verwendet das jeder zweite, zweitens kann ich mir darunter eh kein wirkliches Bild vorstellen (außer, wenn die Espe bzw. Bäume eine tragende Rolle in der Geschichte spielen).


Welche Floskeln fallen dir noch häufig auf und was würdest du stattdessen schreiben? Lass doch einen Kommentar da!

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