Schneegestöber und Buchmesse

Hallo ihr Lieben, leider wird das heute kein Buchmesse-Artikel… Niemals hätte ich gedacht, dass ich es nicht auf die Buchmesse schaffe. Ich hatte mich so unglaublich gefreut, aber…  Ich möchte euch kurz erzählen, warum alles nicht geklappt hat.

 

 

Wie ihr ja wisst, wohne ich im Harz. In der Nacht von Freitag auf Samstag war dort unglaublich starker Schneefall, wie fast überall in Deutschland. Ich stand morgens pünktlich auf und dachte mir noch nichts dabei. Mein Auto stand in einer steilen Einfahrt und ich schippte mir den Weg durch den Schnee frei. Fegte den Schnee von meinem Auto und versuchte, loszufahren. Erstes Problem. Die Einfahrt war spiegelglatt und meine Reifen drehten durch. Mit mehrfachem guten Zureden und ein paar Decken unter den Reifen klappte es dann doch und ich konnte meinen Weg beginnen.

 

 

Ich wollte mich mit einer Freundin in Halle treffen und von dort aus mit dem Zug nach Leipzig fahren. Mein Navi wollte mich auf die A14 schicken. Im Radio hörte ich allerdings von den katastrophalen Zuständen und den vielen Unfällen auf dieser Autobahn. Also fuhr ich vorher ab, auf die Bundesstraße. Hier war ganz gut geräumt, nur die Schneewehen an der Seite bereiteten mir von Zeit zu Zeit Probleme. Ich konnte jedoch gut 70 fahren und freute mich schon insgeheim, dem Stau entkommen zu sein. Doch dann erreichte ich Bernburg und sollte laut Navi abfahren auf eine Landstraße. Ich kam keine hundert Meter weit. Das Auto vor mir trat voll auf die Bremse und auch ich stieg kräftig in die Eisen. Nur Millimeter vor ihm kam ich zum Stehen. Mein Herz raste. Ich entschied mich schnell, umzudrehen. Vor mir war ein großer Unfall und es hätte sicher mindestens eine Stunde gedauert, bis ich hier durchgekommen wäre. Also wendete ich – oder besser gesagt, ich schlitterte auf dem Absatz herum. Die ganze Zeit betete ich, dass mein Auto nicht steckenbleibt. Mein Navi fand eine neue Route und ich fuhr erstmal weiter. Die nächsten Kilometer verliefen ereignislos, die Straßen waren halbwegs gut zu Recht. Doch dann bog ich auf eine Landstraße ab. Hier war gar nicht geräumt, ich konnte vor mir nur leicht die Spuren meines Vordermanns erkennen. Nicht stehenbleiben, sagte ich mir. Denn ich wusste, stehenbleiben war das schlimmste. Ich erkannte in einiger Entfernung, dass dort schon wieder ein Unfall war. Ich musste also doch stehenbleiben. Zum Glück war an dieser Stelle der Schnee schon halbwegs abgefahren. Ich stieg aus um zu schauen, ob ich helfen konnte. Es war bitterkalt und ich war eindeutig nicht richtig angezogen. Schließlich wollte ich ja zur Messe. Ein Mann sagte zu mir, dass der Unfall nicht schlimm war und nur jemand steckengeblieben ist. Und es stimmte: schon kurze Zeit später kam ein Jeep über den Acker gedüst und zog den Mann aus dem Schnee. Wir konnten weiter.


Ich konzentrierte mich, hoffte die ganze Zeit nur, dass ich heile in Halle ankommen würde. Mein Navi zeigte noch 30 km an, die ich zu fahren hatte. Ich rief bei meiner Freundin durch und entschuldigte mich, dass es wohl später werden würde. Trotzdem verlor ich nicht die Hoffnung und glaubte, dass ich es schaffen konnte. Ich schaffte es noch genau fünf Kilometer. Da sah ich schon wieder ein Auto auf der Straße quer stehen. Es stand jedoch relativ weit am Rand, sodass ich dachte, ich komme da sicher vorbei. Falsch gedacht. Ich fuhr zu langsam, rutschte aus und meine Räder drehten durch. Ich steckte fest. Nur mühsam behielt ich die Beherrschung. Mein Hintermann stieg aus und versuchte, mich anzuschieben. Wir legten meine Fußmatten unter die Räder, doch nichts half. Ich steckte zu tief fest. Aber ich hatte Glück: der Mann, dessen Auto quer stand, hatte einen Trupp Freunde angerufen, die ihn rauszogen. Und sie halfen auch mir. Sie schaufelten den Schnee zur Seite. Zu sechst schoben sie mein Auto an, erst von hinten, dann von vorn, immer im Wechsel. Und es klappte. Ein Ruck durchzuckte mein Auto und es fuhr wieder. Ich war so erleichtert, bedankte mich und setzte meinen Weg fort. Ich fuhr noch vorsichtiger als vorher. Noch 24 km. In Piethen bog ich dann auf eine Straße ab. Eine ältere Dame stand am Straßenrand und winkte mir zu. Ich hielt kurz an und ließ die Scheibe herunter.
„Da können Sie nicht lang. Tiefschnee.“
Ich sah nur, wie einige Autos mir entgegenkamen. Ein Mann aus Hannover hielt an.
„Wollen Sie auch nach Halle?“, fragte er.
„Ja, eigentlich schon.“
„Die Straße ist voll gesperrt. Kein Entlangkommen.“
Er bestätigte somit die Aussage der Frau. Ich seufzte und hätte wieder am Liebsten fast losgeheult.
„Gibt es noch einen anderen Weg?“, fragte ich die Frau.
„Ja, Sie können vorn abbiegen und es über Cattau versuchen. Wie weit Sie da kommen kann ich Ihnen aber auch nicht sagen.“
„Ich probiere es.“, sagte ich.
Doch dazu sollte es nicht kommen. Denn es hielt noch ein drittes Auto bei uns an.
„Ich komm gerade aus der Richtung Cattau. Da ist kein Durchkommen. Riesiger Unfall.“
Ich bedankte mich bei allen für die Informationen. Dann rief ich verzweifelt bei meiner Freundin und zu Hause an. Doch niemand wusste, was ich jetzt tun sollte. Nach Halle kam ich nicht und der Weg nach Hause machte mir Angst, schließlich war ich froh, ihn hinter mir zu haben. Ich entschied mich, bis zur nächsten Auffahrt auf die Autobahn durchzuhalten. Wendete und machte mich auf den Weg nach Könnern. Obwohl es keine zehn Kilometer dorthin waren brauchte ich über eine halbe Stunde. Aber immerhin blieb ich nicht stecken.


In Könnern versuchte ich dann, auf die A14 zu kommen. Ich hörte im Radio, dass der Stau zwar über anderthalb Stunden die Zeit verzögerte und großräumig zu umfahren war, aber was sollte es. Doch in Könnern dann die Überraschung: Die Auffahrt war komplett gesperrt. Ich kam nicht mal drauf, auf die Autobahn. Und die anderen Autos wurden alle umgeleitet. Ich gab auf. Es war mittlerweile schon halb eins und meinen ersten Artikel würde ich schon nicht schreiben können, die Veranstaltung hatte um 12 begonnen. Also fuhr ich auf die A14 in die andere Richtung drauf und machte mich auf den Heimweg.

 

 

Ich habe viele Tränen vergossen, auch wenn ich weiß, dass die LBM jedes Jahr ist. Doch das wäre meine erste LBM als Autorin gewesen und ich hätte sicher vieles anders wahrgenommen. Aber es sollte wohl einfach nicht sein.

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Sebastian Wendland (Sonntag, 18 März 2018 19:42)

    Gespannt hatte ich deinem Bericht zur Buchmesse entgegengesehen. Dass ausgerechnet zu diesem speziellen und lang herbeigesehnten Termin der Winter nochmals zuschlägt, ist schon ein großer Zufall. Dein Ärger ist absolut nachvollziehbar.
    Freuen kannst du dich aber sehr darüber, wieder gesund und ohne Schaden am Auto wieder nach Hause gekommen zu sein. Du hast ja gesehen, dass das heute nicht die Regel war.
    Ich drücke dir die Daumen für die nächste LBM.