Keine Ahnung von Steuern - was nun?

Mal ehrlich - wir Autoren sind mit die schwerbeschäftigste Menschenart dieser Welt. Wir müssen ein Facebookprofil haben, auf Twitter aktiv sein, ab und an etwas auf Instagram posten, einen eigenen Blog betreiben, am Besten noch mit einer Website hinten dran, Lesungen planen und organisieren und nebenbei auch noch ein Buch schreiben...

 

Da bleibt kaum noch Zeit (geschweige denn Lust), sich mit so etwas Banalem wie Steuerrecht zu beschäftigen.

 

Achtung: wer doch Zeit und Lust hat, kann sich gern auf meinem Blog über einzelne Themen informieren. Aber ich verstehe es wirklich, wenn man die Dinge lieber in fremde Hände gibt. Schließlich habe ich drei Jahre Steuerrecht studiert, um auch nur ansatzweise etwas davon zu verstehen.

 

Worauf ich hinaus will: Einen guten Steuerberater zu finden ist nicht leicht und ihn zu behalten noch weniger. Denn sie sind Mangelware und es verhält sich ähnlich wie bei Lektoren: wenn man einen Guten gefunden hat, sollte man ihn nicht wieder hergeben.

 

Aber welche Möglichkeiten gibt es eigentlich?

 

1. DER LOHNSTEUERHILFEVEREIN

 

Wie der Name schon sagt, geht es dort um LOHNsteuer. Die Lohnsteuer ist nur eine Erhebungsform der Einkommensteuer und ist kurz gesagt die Besteuerung des Arbeitslohns. Soll heißen: wenn ihr Angestellte, Arbeiter oder Beamte seid und freiwillig eine Steuererklärung abgeben wollt, könnt ihr euch an solch einen Verein wenden.


Vorteile:

- Die Mitarbeiter dort sind oft auf Lohnsteuerrecht spezialisiert. Gerade in schwierigen Fällen (zum Beispiel, wenn hohe Reisekosten anfallen oder ein häusliches Arbeitszimmer abgesetzt werden soll) kann dies äußerst hilfreich sein.

- Die Preise sind oft wesentlich niedriger als beim Steuerberater. Dies liegt zum einen daran, dass hauptsächlich rechtlich "einfache" Fälle aufgenommen werden und zu anderen ist die Qualifikation eines Steuerberaters wesentlich höher. Lohnsteuerhilfevereine gehen auch seltener den Weg bis vors Finanzgericht, wenn Streitigkeiten sind.

Nachteile

- eben jene "niedrigere" Qualifikation kann bei Spezialfällen ein Nachteil sein

- Lohnsteuerhilfevereine nehmen meist nur Mandanten auf, die nur Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit haben, also angestellt oder verbeamtet sind. Für den selbstständigen Autoren bringt das wenig.

 

2. DIE STEUERBERATUNGSKANZLEI


So unterschiedlich die einzelnen Kanzleien aufgebaut sind, sie haben doch die grundlegenen Elemente gemeinsam. Es gibt idealerweise einen Steuerberater, der für dich zuständig ist und zusammen mit seinen Mitarbeitern deine laufende Buchführung macht, die Buchungen auswertet und einen Jahresabschluss erstellt, deine Einkommensteuererklärung fertig macht und dann gleich noch die Gewerbe- und Umsatzsteuererklärung dranhängt, falls nötig.

Diesen umfassenden Service musst du natürlich auch bezahlen, das ist der Nachteil.

 

Doch wie findet man nun den richtigen Steuerberater?

 

Die allerbeste Lösung: Jemand in deiner Familie oder deinem Freundeskreis ist auch selbstständig und hat DEN EINEN perfekten Steuerberater gefunden. Er erzählt dir davon, du rufst in der Kanzlei an und wirst sofort mit offenen Armen aufgenommen.

 

Der Idealfall.

Leider klappt das nicht immer. Da können verschiedene Faktoren eine Rolle spielen. Hat die Kanzlei überhaupt noch Platz für einen neuen Mandanten? Oder sind sie vielleicht auf ein Gebiet spezialisiert, was du nicht erfüllst? Oder kannst du deinen Bekannten/ Verwandten gar nicht verstehen, weil du den Steuerberater sofort unympathisch findest?

 

Das alles könnte der Fall sein.
Dann hast du die Möglichkeit, weiter herumzufragen. Kennt vielleicht dein Kollege jemanden? Oder der Freund deiner Kusscousine?

 

Immer noch nicht fündig geworden? Erst jetzt würde ich im Internet recherchieren. Große und seriöse Kanzleien setzen häufig nicht auf "laute" Werbung, denn sie sind auch ohne gut ausgebucht. Deshalb findest du im Internet häufig auf den ersten Seiten die "Marktschreier", die im schlimmsten Fall noch damit werben, dass jeder Neumandant einen Bonus bekommt oder so. Hier würde ich skeptisch werden. Warum sollte eine seriöse Kanzlei mit solcher Werbung um sich werfen?

 

Während du im Internet recherchierst, kannst du auch in der Mittagspause spazieren gehen. Findest du in deiner Heimatstadt eine Kanzlei? Mach eine Schnitzeljagd draus, du wirs sicher fündig. Und wenn du schon einmal da bist, kannst du auch gleich mal anklopfen und dir das Büro von innen ansehen.

 

Gefällt dir die Atmosphäre?
Wirst du freundlich empfangen, obwohl dich niemand kennt?

Gibt es einen Empfangsbereich? Sieht das Personal glücklich aus? Wirken die Räume sauber und ordentlich?

 

All diese Fragen kannst du dir vor Ort viel besser beantworten als im Internet.

 

Und jetzt gilt es: freundlich sein. Einen Steuerberater zu finden ist wie ein Bewerbungsverfahren. Nicht du entscheidest, wen du nimmst, sondern der Steuerberater entscheidet, ob er dich nimmt. Am besten ist es deshalb, freundlich und zurückhaltend nachzufragen und nicht beleidigt zu sein, wenn ein "Nein" kommt. Es gibt viele Steuerberater und irgendwann wird es schon klappen. Nur, weil du bei deinem Wunsch-Steuerberater nicht genommen wurdest, darfst du auf keinen Fall aufgeben.

 

Habt ihr einen Steuerberater? Und wie habt ihr ihn gefunden? Ich freue mich über eure Kommentare!

 

Achso, und was mir noch wichtig ist: es gibt IMMER Menschen, die andere Erfahrungen gesammelt haben als ich. Unter den über 100.000 Steuerberatungskanzleien und Lohnsteuerhilfevereinen gibt es sicher genug schwarze Schafe, aber auch genug leuchtende Beispiele. Deshalb kann es natürlich von Büro zu Büro Unterschiede geben im Ablauf, im Verhalten und in der Qualifikation.

 

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