Übersicht

Der Brockopath - Marie Kastner

Das Geheimnis der Muse - Jessie Burton

Traumschrott - Christian Krumm

Das Fundament der Ewigkeit - Ken Follett

Berühr mich. Nicht. - Laura Kneidl

Töchter einer neuen Zeit - Carmen Korn

 


Der Brockopath

Marie Kastner

Preis: 15,90 Euro

ISBN: 978-84-944490-6-2
Seiten: 296

Inhalt:
In „Der Brockopath“ von Marie Kastner geht es um einen spektakulären Mordfall in der Walpurgisnacht. Der Polizist Bernd Mader ist vor kurzem von Dresden in die Kleinstadt Elend gezogen und muss sich an diesem Mordfall das erste Mal im Harz beweisen. Doch so leicht, wie er sich das vorstellt, ist es nicht: die langen Wege und schlechten Verkehrsanbindungen verlangsamen die Aufklärung dramatisch. Mit seinem gut geschulten Gespür für Kriminalfälle gelingt es ihm dennoch, das Vertrauen seiner Kollegen zu gewinnen. Der mutmaßliche Täter wird geschnappt, doch die Mordfälle hören nicht auf. Und dann verschwindet der Polizist auch noch spurlos. Werden seine Kollegen ihn retten und der Mörder unschädlich gemacht werden können?

Figuren:
Bernd Mader ist eine starke Persönlichkeit. Mit seiner Taktik erweckt er Sympathiepunkte beim Leser und es wird deutlich, wie schwierig sich der Schichtdienst bei der Polizei und der Wunsch nach einem normalen Leben mit Familie, Haus und Kindern unter einen Hut bringen lassen. Er ist schlau, schnell und mutig, leider am Schluss etwas zu leichtsinnig. Eine gelungene Figur, der man während des Geschehens gern folgt und mitfiebert.
Der Antagonist in diesem Buch ist der „Brockopath“, also der Mörder. Dieser wird in einem separaten Handlungsstrang beleuchtet, in dem immer wieder Rückblenden in seine Kindheit und Jugend eingebracht werden. Der Leser wird schnell auf die falsche Fährte geführt und es ist bis zum Schluss unklar, wer der eigentliche Mörder ist. Der Brockopath erweckt in mir keinerlei Sympathien, auch wenn er mir zwischendurch Leid tut. Es ist offensichtlich, dass er psychisch krank ist und eine Therapie benötigt hätte.

Cover:
Ein interessantes und liebevoll gestaltetes Cover, das sehr gut zum Inhalt des Buches passt. Es wird deutlich, zu welchem Genre das Buch einzuordnen ist (schwarzer, dunkler Hintergrund, düstere Stimmung) und der Leser wird neugierig, worum es geht.

Handlung:
Ich bin keine Thriller-Leserin, ehrlich gesagt war es wohl der erste Thriller in meinem Leben, den ich gelesen habe. Deshalb kann ich kaum differenzierte Vergleiche ziehen, sondern nur von meiner einmaligen Leseerfahrung erzählen. Erstmal vorweg – ich war natürlich sofort begeistert, dass das Buch in meiner Heimat, dem Harz, spielt. Immer wieder wird in die Handlung ein Stück der Geschichte und Mentalität dieser Region integriert, was mir sehr gut gefallen hat. Es werden Sagen beleuchtet und über die Kultur und Natur berichtet, ohne, dass es wie ein Sachbuch wirkt. Ich habe sogar Dinge erfahren, die ich noch gar nicht wusste (:
Die eigentliche Handlung ist sehr gut strukturiert und in sich schlüssig. Es geht um die Aufklärung eines Mordfalls und wie oben schon erwähnt gibt es zwei Handlungsstränge. Beide sind in sich abgeschlossen und sehr interessant. Zu Beginn ist es etwas verwirrend, die verschiedenen Namen zu lesen und ich habe gleich begonnen, nach mutmaßlichen Indizien für den Täter zu suchen. Und doch war ich auf der falschen Spur und wusste erst zum Ende hin, wer der Täter war. Der Autorin gelingt das besonders gut, weil sie für zwei verschiedene Personen die gleichen Vornamen benutzt. Ein bisschen Liebe darf in der Geschichte natürlich auch nicht fehlen, obwohl mir persönlich das Liebesleben des Polizisten beim Lesen relativ egal war. Ich wollte nur wissen, wie er den Fall aufklärt!

 


Fazit:
Ich werde wohl niemals ein Fan dieses Genres sein, doch die Story hat mir gut gefallen. Der Schauplatz war super gewählt und auch die Figuren sind gut ausgearbeitet. Ich mag sowohl den Stil, als auch die Sprache der Autorin und kann es nur jedem empfehlen, der auf spannende Weise in die sagenhafte Welt des Harzes eintauchen will.

 


Das Geheimnis der Muse

Jessie Burton

Preis: 14,95 Euro

ISBN: 9783-458-3632-93

Seiten: 461

Inhalt:
In „Das Geheimnis der Muse“ von Jessie Burton geht es um die junge Amerikanerin Odelle, die gern Schriftstellerin wäre und einen Job als Schreibkraft in einer berühmten Londoner Kunstgalerie annimmt. Sie begegnet dem verträumten Lawrie, der nach dem Tod seiner Mutter ein erstaunliches Gemälde gefunden hat und es nun in der Gallerie vorstellen möchte. Die Geschichte führt den Leser auf eine Zeitreise nach Andalusien in das Jahr 1936, in dem die Künstlerin Olive Schloss gelebt hat. Diese ist die Tochter eines berühmten Kunsthändlers, der ihr Talent allerdings kaum wahrnimmt. Durch eine List gelingt es dem Hausmädchen Terese, Olives Kunstwerk als das ihres Bruders, Isaac Robles, auszugeben. Ein Geheimnis wird gewoben, während im Hintergrund der zweite Weltkrieg ausbricht.

Figuren:
Odelle ist mir auf Anhieb sympathisch gewesen, was auch sicher durch die Autorin so beabsichtigt war. Sie ist schwarzhäutig und hat deshalb einige Schwierigkeiten, im London des Jahres 1967 Fuß zu fassen. Gleichzeitig hat sie große Träume und ein Talent zum Schreiben. Leider wirkt sie etwas gefühlskalt und egoistisch. Sie redet lange Zeit nicht mehr mit ihrer besten Freundin, nur weil diese geheiratet hat. Und auch Lawrie behandelt sie teilweise, als wäre er ein treuer Hund, den man ruhig mit den Füßen treten kann, da er sich eh nicht wehrt.
Olive Schloss besitzt diese Charaktereigenschaften zum Teil auch. Sie denkt nur an ihr eigenes Wohlbefinden und nutzt Isaac schamlos aus. Jessie Burton scheint eine Vorliebe für starke Persönlichkeiten zu haben. Denn auch das Hausmädchen Terese ist keineswegs so selbstlos, wie es am Anfang scheint. Sie hütet düstere Geheimnisse und verstrickt sich in Lügen.

Dialoge:
Gut eingesetzt und gewitzt spiegeln die Dialoge die Persönlichkeiten der einzelnen Figuren wider. Allerdings ist mir häufig aufgefallen, dass sie aufgesetzt wirken. Besonders in der Zeit um 1936 reden die Figuren auf eine Art und Weise miteinander, wie sie damals (zumindest denke ich das) kaum üblich gewesen ist. Manchmal fehlt mir ein wenig Tiefe, mehr Liebe zum Detail. Da habe ich das Gefühl, dass durch die Szenen nur noch durchgehetzt wird.

Cover:
Na, das Cover ist ja wohl perfekt gelungen. Der Titel klingt tiefgründig, dunkel, voller Überraschungen. Das dunkle Blau lädt zum Lesen ein - und ich muss sagen, dass ich es einfach liiiiebe, wenn ich über das Cover streichen kann und die Schrift sozusagen „zum Anfassen“ ist.

Handlung:
Eine feurige, interessante Handlung. Es geht um Künstler und gut aussehende Menschen in einem heißen Land, da ist das Feuer in den Augen des Lesers schon vorprogrammiert. Ich bin leicht in den Text hineingekommen, keine verschachtelten Sätze und es ließt sich gut. „Das Geheimnis der Muse“ ist etwas für lange Kaminabende mit einem Tee in der Hand auf dem Sofa. Der Autorin gelingt es, dass ich mich für beide Handlungsstränge (einmal der Olive, einmal der Odelle) gleichermaßen interessiert habe. Allerdings muss ich auch sagen, dass mir ein bisschen Spannung gefehlt hat am Ende der jeweils einzelnen Teile. Denn normalerweise ist das bei mir so (zumindest bei Büchern, die in den unterschiedlichen Teilen auch eine andere Story behandeln), dass ich nach einem Teil total traurig bin, dass der nun zu Ende ist und ich mich wieder in den anderen Teil einfinden muss. Das ging mir bei diesem Buch nicht so, da die Handlungen jeweils in sich abgeschlossen sind, keine wirklichen Fragen offenbleiben. Und was ich noch kritisieren muss ist das Ende der Story, die 1936 spielt. Denn hier tritt ein Ereignis ein, dass weder zur vorherigen Handlung, noch zu den einzelnen Charakteren passt.
(Für alle, die das Buch noch nicht gelesen haben: Hört besser hier auf, die Kritik lässt sich nicht so formulieren, dass es kein Spoiler wird) Olive und Isaac hatten eine Beziehung, er hat sich nicht für Olives Mutter Sarah interessiert. Doch dann (für mich aus total irrationalen Gründen) liebt er auf einmal Sarah und sie treffen sich zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich als Isaac als Verbrecher gesucht wird. Das fand ich völlig aus dem Zusammenhang herausgegriffen. Und Olive reagiert, indem sie wild mit der Pistole herumschießt. Also wirklich. Das war zu abstrakt.

Fazit:
Ein absolut lesenswertes Buch mit kleinen inhaltlichen Mängeln, die aber wahrscheinlich nur auf meine  hohen Ansprüche zurückzuführen sind. Ich habe mich geschichtlich weitergebildet und etwas über ein Land gelesen, dass im Geschichtsunterricht ja nur am Rande behandelt wird.

Traumschrott

Christian Krumm

Preis: 9,95 Euro

ISBN: 9783-946-4250-21

Seiten: 178

Dieses Mal muss ich die Rezension etwas anders aufbauen. Denn „Traumschrott“ von Christian Krumm baut sich nicht wie ein herkömmlicher Roman auf, sondern ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die alle ihren eigenen Handlungsstrang haben. Es sind insgesamt elf Stück (oder zwölf, wie man es nimmt) und ich möchte euch hier meine TOP 3 vorstellen. Das ist natürlich nur meine persönliche Meinung, ich würde euch empfehlen, das Buch zu kaufen und alle Geschichten zu lesen. Denn es hat jede seinen Charme.

Cover:
Von dem Cover bin ich begeistert, insbesondere, weil es am Anfang eine wichtige Rolle spielt. Ich werde in einen Kurzgeschichtenwettbewerb einbezogen, in dem das Thema Traumschrott die Vorgabe ist. Als Hilfestellung wurde den Autoren ein Bild gegeben, das genauso aussieht wie das Cover des Buches. Und das gefällt mir. Die Flasche scheint zu leuchten, die dunklen Farben drumherum erzeugen eine magische Stimmung, als befände ich mich wirklich in einem Traum.

1. Sonntagskuchen
Meine persönliche Lieblingsgeschichte. Hier geht es um einen Journalisten, der seinen Geburtstag feiert. Die Feier wird aber unterbrochen durch einen Herrn Menschkowski, der davon überzeugt ist, eine unglaubliche Story gehört zu haben. Hier möchte ich wirklich nichts weiter verraten, denn jedes Wort dieser Geschichte ist perfekt gewählt und ich mag das nicht kaputt machen. Lasst euch überraschen. Die Story ist echt gut.

2. Der Prinz
Ich mag diese Geschichte sehr. Es geht im Prinzip darum, wie ein Mann es zuerst durch das Schaffen menschenwürdiger Arbeitsbedingungen zu beträchtlichem Geld gebracht hat und mit dem Geld die Armen unterstützt. Dann gerät er aber auf die falsche Spur und versagt all seinen bisherigen Prinzipien, unterstützt nur noch die falschen Leute. Das Thema hat sehr aktuellen Bezug, es zeigt auf, wie wenig sich doch heutzutage auf seinen eigenen, gesunden Menschenverstand oder auch die Menschlichkeit verlassen wird. Der Aufbau der Geschichte ist gut durchdacht. Sie beginnt mit einem allgemeinen, geselligen Abendessen, bei dem dann die Geschichte von Herrn Prinz erzählt wird. Und am Ende... Nein, das verrate ich euch nicht. Aber auf jeden Fall gibt es zum Ende hin noch eine kleine Überraschung, die sich eins zu eins auf das heutige Arbeitsleben übertragen lässt.

3. Das Idol
In der zweiten Geschichte geht es um ein Ehepaar, das zu DDR-Zeiten lebt. Der Mann ist ein verkannter Künstler, dessen Ausstellung nun aber stattfinden soll. Auch hier mag ich den Aufbau und den Schreibstil, es wird sozusagen „geschrieben wie gesprochen“. Allenfalls das Ende hätte dramatischer sein können. Denn es gibt ein dramatisches Ende, nur wurde das sprachlich nicht komplett ausgearbeitet.

Und welche Geschichte ich noch echt gut fand: „Seltenreich“. Aber hier stört mich wirklich, dass der Autor eine Kurzgeschichte draus gemacht hat. Die Idee dahinter ist unglaublich cool und ich hätte gern mehr davon gelesen!

Christian Krumm gelingt es, mich als Leserin immer wieder für die jeweilige Geschichte zu begeistern (naja, um mal zu kritisieren: eine Geschichte fand ich nicht so gut. Das war mir zu wissenschaftlich-abstrakt beschrieben).

Ich habe tatsächlich noch nie eine Kurzgeschichtensammlung gelesen und muss sagen, dass mir die Idee gefällt.

Das fundament der ewigkeit

ken follett

Preis: 36 Euro 

ISBN: 378-572-600-7

Er schafft es immer wieder, in mir wahre Begeisterungsströme auszulösen.

Inhalt:
Die Haupthandlung spiel natürlich wieder in Kingsbridge, einer kleinen Stadt in England, die noch immer von ihrer eindrucksvollen Kathedrale beherrscht wird. Ken Follett reist ins 16. Und 17. Jahrhundert und behandelt den blutigen Konflikt zwischen der katholischen Kirche und dem aufstrebenden Protestantismus. Der junge Ned William verlässt Kingsbridge und wird einer der wichtigsten Berater von Königin Elizabeth, die seit kurzem das Königreich re-giert. Doch dafür lässt er in Kingsbridge seine große Liebe Margery zurück, deren politische Ziele nicht mit denen von Ned vereinbar sind.

Figuren:
Ken Follett hat mit Ned, Margery, Pierre, Sylvie, Bart,... und so weiter mal wieder Figuren erschaffen, mit denen ich mitfühle, mit denen ich lache, weine und Pläne schmiede. Ich konnte mir alle Charaktere perfekt vorstellen, war ein kleines bisschen in Ned Williams verliebt, habe Pierre Aumande gehasst und wäre gern so mutig wie Sylvie. Das Buch ist ein Auf und Ab der Gefühle, ich habe mich gefühlt als ob ein Sog von ihm ausgeht, der mich daran hindert, das Buch loszulassen.

Handlung:
Im Prinzip ist das Buch aufgebaut wie alle Bücher von Ken Follett zur Kingsbridge-Reihe. Er schafft schon zu Beginn ein paar Hauptfiguren und wandert als Erzähler immer von einer Figur zur nächsten und erzählt deren Geschichte. Und wenn ich mich frage, wie alles wieder zusammenführen soll, passiert genau das: irgendwann laufen sich alle einmal über den Weg. Und das ist auch das, was ich so liebe an der Story. Sie gibt mir das Gefühl, ein wahres Epos zu lesen, ein vollkommenes Kunstwerk des Schreibens. Und was die historischen Fakten angeht, da kann es wohl niemand so schnell mit Ken Follett aufnehmen. Ich habe das Gefühl, dass in diesem Roman jedes winzigste Detail recherchiert wurde. Was ich besonders mag: der Autor haucht historischen Persönlichkeiten ein Leben ein, er gibt ihnen Stärken, Schwächen, einen Charakter. Dadurch lerne ich sozusagen etwas dazu, während ich einen tollen Roman lese. Mehr brauche ich nicht.

Negatives:
Ich hab einen Fehler gefunden *sing*! Aber ich verrate euch nicht, wo der ist. Ich habe ihn mir auch nicht markiert oder so. Allerdings habe ich beim Lesen einmal kurz aufgeatmet, denn irgendwie ist das für mich ein Zeichen, dass niemand komplett fehlerfrei ist. Auch nicht, wenn das Buch von hundert verschiedenen Leuten korrigiert und lektoriert wird. Ansonsten habe ich wenig Kritik zu äußern. Klar, Ken Follett hat mal wieder einen Wälzer geschrieben, man muss sich schon motivieren, um dranzubleiben (wenn man nicht so ein Fan ist, wie ich). Und das Problem ist auch, dass gerade die politischen Geschehnisse intensiv herausgearbeitet sind, sodass beim Lesen manchmal Langeweile aufkommen kann. „Das Fundament der Ewigkeit“ ist sicher kein Roman, den man nebenbei als Entspannungslektüre lesen kann. Aber es lohnt sich!

Berühr mich. nicht.

Laura Kneidl

Preis: 12,90 € 

ISBN: 978-3-7363-0527-4

Seiten: 462

Laura Kneidl hat in ihrem Liebesroman „Berühr mich. Nicht“ eine interessante Handlung erschaffen, die zum Lesen einlädt.

Inhalt:
Die Protagonistin Sage leidet unter einer Angststörung, die auf traumatische Erlebnisse mit ihrem Stiefvater in frühester Kindheit zurückzuführen ist. Deshalb fängt sie weit von zu Hause weg ein Studium an und verliebt sich in den gut aussehenden Luca, der ihr langsam ihre Ängste nimmt.

Figuren:
Sage hat eine psychische Krankheit. Das lässt sich schon zu Beginn erahnen und wird dann auch detailliert beschrieben. Allerdings erscheint es für den in Bezug auf diese Erkrankung ungebildeten Leser vorerst so, als ob ihre Reaktionen übertrieben sind. Denn letztendlich hat sie panische Angst vor Männern - verbringt aber die Nacht allein in einem alten VW Bulli mit einem noch älteren Türschloss (Hier habe ich mich sowieso gefragt, ob sie da einfach auf dem Uniparkplatz stehen bleibt nachts? Der Roman spielt ja in Amerika, vielleicht ist das da erlaubt. Schwer vorstellbar war das trotzdem). Im Laufe der ersten Wochen verliebt sie sich erst in Gave (zumindest findet sie ihn super heiß) und dann in Luca. Wobei Luca die Perfektion schlechthin ist: er sieht perfekt aus, ist super durchtrainiert (obwohl er nur ein paar Mal die Woche laufen geht) und extrem lieb zu Sage, die ihn anfangs wie ein Stück Dreck behandelt (da sie ja noch Angst vor ihm hat). Und weil sein Beschützerinstinkt offenbar keine Grenzen kennt, schwört er auch noch seinem turbulenten Liebesleben ab und konzentriert sich ganz auf die kleine, unscheinbare Sage. Hach ja. Ein bisschen lebensfern muss ja so ein Liebesroman auch sein.

Handlung und Stil:
„Berühr mich. Nicht“ ließt sich wirklich gut. Das kann ich nicht anders sagen. Ich stolperte zwar zunächst über die (für Deutsche vermutlich) komischen Namen (ich weiß immer noch nicht, wie man `Sage´ richtig ausspricht, aber die Handlung ist spannend geschrieben und ich wollte wissen, wie es weitergeht. Zwar haben mich Sages Panikattacken ein bisschen angeödet, aber das wahrscheinlich auch nur, weil ich den Kontext nicht so stimmig fand und es deshalb auf mich so wirkte, als würde sie übertreiben. Ich mochte die Gefühle zwischen Sage und Luca, die sich nur langsam entwickelten. Besonders gut ist es Laura Kneidl gelungen, die körperliche Anziehungskraft hier darzustellen (und ich hatte immer das kleine Teufelchen im Hinterkopf, das schreit „Hab dich doch nicht so! Küss ihn endlich!“). Was ich aber grauenhaft fand: das Ende. Und Achtung, jetzt kommt ein Spoiler. Es ist für mich nicht nachvollziehbar gewesen, dass alles supi dupi lief zwischen Luca und Sage und dann ruft ihr Stiefvater an und sie haut ab. Und sagt Luca, dass sie ihn doch nicht liebt. Für mich war das zum einen so Twilight-mäßig, zum anderen aber auch total lebensfern. Wenn man jemanden liebt, versucht man doch, mit ihm die schweren Zeiten durchzustehen. Sage hätte meiner Meinung nach Luca schon so gut einschätzen können, dass der sie nicht gleich auslacht. Und... Naja, für die Autorin lohnt es sich natürlich, so ein Ende einzubauen. Jeder zweite (oder auch jeder) will jetzt vermutlich den zweiten Teil haben. Ich übrigens auch, denn dieses Ende kann ich nicht auf mir sitzen lassen *schüttelt trotzig den Kopf*.

Fazit:
Schöne, leichte Lektüre für zwischendurch. Mir ging die Geschichte in diesem ersten Teil noch nicht besonders nahe, aber ich mochte die Figuren und ich möchte auch wissen, wie der Weg weitergeht. Was die psychologischen Hintergründe angeht, wurde schon auf anderen Blogs beschrieben, dass da nicht alles ganz stimmig ist. Aber hier bin ich auch der Meinung: es ist ja nur ein Roman. Natürlich, wenn die Autorin sich da besser informiert hätte, wäre es ein Roman gewesen, der vielleicht die Generationen überdauert hätte. Vielleicht war das nicht der Anspruch von Laura Kneidl und als hübsche Unterhaltungsliteratur eignet sich „Berühr mich. Nicht“ perfekt.

Töchter einer neuen Zeit

Carmen Korn

Preis: 10,00  Euro 

ISBN: 978-3-499-27213-4

Seiten: 553 



Mit dem Buch habe ich mich von Anfang an schwer getan. Und ich muss ehrlich sagen: Nicht mein Ding. Aber zunächst erstmal ein paar Vorabinformationen. 


Inhalt

Henny Godhusen arbeitet als Hebamme in Hamburg und hofft dort einer neuen und friedlicheren Generation auf die Welt zu helfen. Sie hat schon den ersten Weltkrieg miterlebt. 


Auch Käthe, rebellische KPD-Symphatisantin, Ida, Tochter aus wohlhabendem Hause und die Lehrerin Lina sehnen sich nach besseren Zeiten. Die verschiedenen Frauen schließen enge Freundschaften, die jedoch auf harte Proben gestellt werden. 


Rezension:

Ich hab das Buch angefangen und musste gleich auf den ersten Seiten den Text mehrmals lesen, um ihn zu verstehen. Kurze, abgehackte Sätze, die wohl eine Art Stil der Autorin sind. Die Dialoge sind im Hamburger Dialekt des frühen 20. Jahrhunderts verfasst, was das Lesen nochmal erschwert. Und was meiner Meinung nach auch sehr schwierig zu verstehen ist, sind die kurzen, schnellen Umbrüche in den Handlungen. Erst ist die Autorin bei Henny, zwei Absätze später bei Lina und dann wieder bei Ida. Die unterschiedlichen Charaktere kommen nur langsam zur Geltung. Es ist schwer, sich die Protagonisten als reale Personen vorzustellen. Es wird keine Handlung aufgebaut, keine Spannung entsteht. Wenn ich das Buch abends weggelegt habe, überlegte ich nicht, was morgen passiert. 


Und das hat mir am meisten gefehlt. Dieses Gefühl, mit den vier Frauen zu leben und zu lieben, das hat sich bei mir leider nicht eingestellt. Am Anfang hat mich der Stil zwar ein bisschen an Fallada erinnert, aber im weiteren Verlauf gelingt es der Autorin nicht, diese Gefühle zu erzeugen wie Fallada. Ich war nicht in der Handlung drin. 


Auf jeden Fall habe ich mir mehr erwartet. Das Buch war Spiegel-Bestseller, wurde von einem renommierten Verlag (Rowohlt) herausgegeben und auch die Covergestaltung gefällt mir richtig gut. Ich würde es nicht nochmal lesen, aber es gibt sicher auch Menschen, denen dieser Schreibstil gefällt und die gerade darin die große Kunst des Schreibens sehen.